Warum ist Teneriffa einer der weltbesten Orte zum Whale Watching?

Etwa ein Drittel aller 90 Wal- und Delfinarten halten sich im Meer rund um die kanarischen Inseln auf oder ziehen dort vorbei. Vor der Südwestküste Teneriffas gibt es sogar zwei Arten, die du das ganze Jahr über sehen kannst. Dazu hast du die Chance, rund 22 saisonal wandernde Walarten zu sehen – mit viel Glück kannst du hier die ganz großen Meeressäuger wie Brydewale, Pottwale, Finnwale oder Blauwale beobachten.

2021 wurde der vor der Südwestküste liegende Meeresstreifen Teno-Rasca für die verantwortungsvolle und nachhaltigen Beobachtung von Walen und Delfinen als erstes Walschutzgebiet in Europa ausgezeichnet und von der World Cetacean Alliance als Walkulturerbe (Whale Heritage Site) anerkannt.

Whale Watching auf Teneriffa – welche Anbieter sind empfehlenswert?

Auf Teneriffa gibt es zahlreiche Angebote für Walbeobachtungstouren, die zumeist an der Südküste starten. Wichtig bei der Auswahl: der Anbieter sollte für die Walbeobachtung zugelassen sein und das Boot eine gelbe Flagge mit dem Logo Blue Boat/Barco Azul tragen. Diese Anbieter versichern, dass sie die Vorschriften und Gesetze zum Schutze der Meeresbewohner gewährleisten. Hier findest du eine Liste der zertifizierten Boote (Stand 2021).

Wir verlassen uns auf die Empfehlung von Pablo Martin. Der Meeresbiologe aus Teneriffa, der auch als TikToker der Fische bekannt ist, zeigt auf seinen Accounts bei TikTok bzw. instagram die spannende Unterwasserwelt der Kanarischen Inseln und informiert ebenso unterhaltsam wie kompetent über Biodiversität, Auswirkungen des Tourismus und Artenschutz. Reinschauen lohnt sich!

Hier die Empfehlungen von Pablo

Wale

Wale sind Säugetiere, die im Meer leben – also Meeressäugetiere. Bis heute sind etwas 90 Arten Waltiere (Cetacea) bekannt – und die lassen sich in Bartenwale (Mysticeti) und Zahnwale (Odontoceti) aufteilen.

Zu den Bartenwalen, die vor Teneriffa gesehen werden können, gehören unter anderem der Blauwal, Finnwal, Seiwal und Brydewal. Bartenwale werden mindestens sechs Meter lang und haben zwei Blaslöcher. Barten, das sind dichten, federartiken Hornplatten, die anstelle von Zähnen im Oberkiefer sitzen und mit denen diese Wale tierisches Plankton und kleinere Meerestieren wie z.B. Krill aus dem Meerwasser filtern.

Zahnwale haben ein Blasloch. Ihre Nahrung besteht aus aus relativ großen Beutetieren, vor allem von Fischen und Kopffüssern (z.B. Kalmaren und Kraken). Diese lokalisieren sie mit Hilfe einer speziellen Echoortung über große Distanzen und jagen sie dann gezielt.  Die bekannteste und  artenreichste Familie der Zahnwale sind die Delfine – die kleinen Meeressäuger (Ja, auch Delfine gehören zu den Waltieren oder anders gesagt:  alle Delfine sind Wale, aber nicht alle Wale sind Delfine). Vor Teneriffa besonders häufig sind der Kurzflossen-Grindwal und der Große Tümmler. Der Pottwal ist die größte Art der Zahnwale und kann mit Glück vor Teneriffa gesichtet werden.

Welche Wale und Delfine gibt es vor Teneriffa?

Die einheimischen Wale

Mit nahezu 100 %-iger Sicherheit  kannst du das ganze Jahr über vor Teneriffa den Kurzflossen-Grindwal, auch Pilotwal genannt, und den Großer Tümmler sehen.  Denn von beiden Arten gibt es Gruppen, die dauerhaft in den Gewässern zwischen La Gomera und Teneriffa leben.

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Abbildung: Kurzflossen-Grindwal

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Abbildung: Großer Tümmler

Die Besucher und Wanderer

Dazu kommen die häufigen Besucher und die gelegentlichen Besucher. Zu den häufigen Besuchern, aber aber nicht ganzjährig anzutreffenden Arten, gehört zum Beispiel der Zügeldelfin.

Die Wanderer kommen auf ihren saisonalen Zugrouten an Teneriffa vorbei oder legen hier eine Ruhepause ein. Der über 12 Meter lange Byrdewal ist zwar eine wandernde Art, aber häufig vor Teneriffa präsent. Auch der Gemeine Delfin und Blainville-Schnabelwal wurden schon gesichtet. Und mit viel Glück kannst du sogar einen der seltenen “Großen” wie Finnwal, Seiwal, Falsche Orca (Kleiner Schwertwal) oder sogar einen Pottwal oder Blauwal sehen.

Wo genau vor der Küste Teneriffas gibt es Pilotwale? Und wo Große Tümmler?

Auf einer Walbeobachtung-Tour wirst du vermutlich zuerst Große Tümmler sehen, denn diese leben vor allem im Küstengebiet. Vor Teneriffa kommen Große Tümmer bis auf 30 Meter an die Küste heran und können mit viel Glück sogar von Land aus beobachtet werden. Weiter draußen kannst du Pilotwale beobachten, denn sie bevorzugen die tieferen Gewässer. Vor allem dort, wo eine Tiefe von 1000 Metern erreicht wird, sind sie zu finden.

Große Tümmler bevorzugen zudem den Norden der Teno-Rasca Zone. Pilotwale mögen eher den Süden, dort wo die Meeresschlucht zwischen Teneriffa und Gomera tiefer ist.

 

Locations of the two most frequently sighted species off Tenerife. (A) Tursiops truncatus ; (B) Globicephala macrorhynchus .

 

Abbildung: Standorte der beiden am häufigsten gesichteten Arten vor Teneriffa. (A) Große Tümmler; (B) Kurzflossen-Grindwal[

Welche Jahreszeit ist die beste für Walbeobachtungen auf Teneriffa?

Auf Teneriffa kannst du das das ganze Jahr über Große Tümmler und Grindwale sehen. Die beste Jahreszeit, um neugeborene Grindwale zu sehen, ist der Sommer.

Um weitere Walarten zu entdecken, machst du deine Waltour am besten zwischen Oktober/November und Februar, denn zu dieser Zeit ziehen Buckelwale, Finnwale und manchmal auch Blauwale an der Küste Teneriffas vorbei. Aber auch außerhalb von Herbst bis Frühjahr kannst du das Glück haben, diese Wale zu sehen.

Welche Jahreszeit ist die beste für Ja, das sind vielleicht nicht die spektakulärsten Wal- und Delfinfotos, die wir von der Küste aus geschossen haben. Aber es war ein Spektakel, als Anfang Juni 2023 ein halbes Dutzend Byrde (Eden)- und Finnwale, Gruppen von Zügeldelfinen, Großen Tümmlern und Rundkopfdelfinen vor der Küste bei Buenavista del Norte auftauchten. Und das Ganze begleitet von zahlreichen Sturmtauchern. Wir waren aus dem Häuschen, die Einheimischen auch.

Warum fühlen sich Wale vor Teneriffa so wohl?

Ganzjährig gemäßigt-warme Temperaturen, ein vor Wind geschütztes Zuhause und reichlich gutes Essen – das auch mögen Wale.

Teneriffa und La Gomera sind nur etwa 20 Seemeilen voneinander entfernt.  Dazwischen liegt eine tiefe Unterwasserschlucht, quasi ein Grand Canyon unter Wasser. Im Norden erreicht die keilförmige Schlucht maximale Tiefen von 1200 Metern, nach Süden verbreitert sie sich und ist dort mehr als 2000 Meter tief.

Die Unterwasserschlucht und Lage auf der windabgewandten Seite schützen vor dem hohem Wellengang des oftmals rauen Nordatlantiks. Dazu kommt, dass Teneriffa im Auftriebsgebiet vor Nordwest-Afrika liegt, dass mit dem Kanarenstrom kaltes, nährstoffreiches Wasser an die Oberfläche bringt.

Diese  Wasserströme haben eine wichtige biologische Funktion: sie transportieren nicht nur Nährstoffe für Phytoplankton von der afrikanischen Küste zu den Küstengewässern der Kanarischen Inseln, sondern auch Fische, Kopffüßer und Krustentierlarven, die den Meeressäugern als Nahrung dienen.