El Médano ist ein bekannter Hotspot für Wassersportler. Weitgehend unbekannt dagegen ist, dass es im Naturschutzgebiet an der Montaña Roja eine Ansammlung von Sandablagerungen gibt, die wie kleine Sandvulkane samt Krater aussehen. Fachleute nennen diese Strukturen Seismiten (span. simitas).

Die Sandvulkane von El Médano entstanden vor etwa 3.500-10000 Jahren durch das größte bekannte Erdbeben auf den Kanarischen Inseln und sind aufgrund ihres außergewöhnlichen Erhaltungszustands weltweit einzigartig.

Die Seismiten von El Médano liegen in den fossilen Sandablagerungen am Fuße der Montaña Roja, zwischen El Médano und Punta Roja.

So sehen die Sandvulkane von El Médano aus

Du erkennst die röhrenförmige Strukturen aus natürlich zementiertem Sand am besten an ihren mehr oder weniger runden Austrittskanälen. Diese haben meist in der Mitte einen (sandgefüllten) Hohlraum, liegen häufig in einer Linie angeordnet und können bis zu 30 cm hoch und breit sind.

Beachte bitte, dass die Montaña Roja nicht nur landschaftlich beeindruckend ist. Sie ist ein besonderes Naturschutzgebiet mit einem einzigartigen, schützenswertem Ökosystem: Hier treffen vulkanische Geologie und ein empfindliches Dünenhabitat aufeinander, in dem endemische Tier- und Pflanzenarten leben, von denen einige vom Aussterben bedroht sind.

Routen, auf denen du die Sandvulkane sehen kannst

Du kannst die Seismiten von El Médano auf Wanderungen im Naturschutzgebiet der Montaña Roja sehen, das sich sich über eine Länge von 3 km entlang der Küste erstreckt. Durch das Gebiet führen verschiedene markierte Wege.

Auf diesen kannst du die Sandvulkane entdecken, z.B. auf diesen Touren:

Wie sind die Sandvulkane von El Médano entstanden?

Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass die Seismiten von El Médano durch ein sehr starkes Erdbeben entstanden sind, das vermutlich weniger als 25 Kilometer vor der Küste auf einer aktiven Verwerfung ausgelöst wurde.

Im Bereich der Montaña Roja wurde durch das Erdbeben Meerwasser in den Sand gedrückt. Der dadurch wassergesättigte sandige Untergrund verlor vorübergehend seine Festigkeit – ein Prozess, der als seismische Verflüssigung bezeichnet wird. Dieser „flüssige“ Wasser-Sand Mix wurde durch den enormen Druck der Erdbebenwellen komprimiert und über Tausende und Abertausende von Aufstiegskanälen- und  -gängen hochgepresst – mit Fontänen an der Erdoberfläche.

Wie ein natürlicher Geysir, aber mit Sand. Dieses kurze Video zeigt schön das grundlegende Prinzip.

Die Seismiten von El Médano sind fragile Schönheiten und weltweit einzigartig. Hilf mit, sie zu schützen: bleib auf den markierten Wegen des Naturschutzgebietes und fass sie nicht an.

Das stärkste Erdbeben der Kanarischen Inseln? So heftig war es!

Anhand der Seismiten konnten Wissenschaftler die Stärke der Bodenbewegung und die Größe des verursachenden Erdbebens berechnen: die Moment-Magnitude soll etwa 6,8 betragen haben (sehr starkes Erdbeben). Damit war dieses prähistorische Erdbeben deutlich stärker als alle historisch dokumentierten Erdbeben in der Region, von denen es also schriftliche Aufzeichungen gibt.

Ob es sich um ein oder mehrere Erdbeben handelte, lässt sich nicht rekonstruieren. Sicher aber ist, dass mindestens eines mit einer Magnitude von über 6 auf der Richterskala stattgefunden hat. Diese Stärke ist außergewöhlich, da die Kanarischen Inseln in einem Gebiet mit mäßiger Seismizität liegen, wo die zu erwartenden Erdbeben eine Magnitude von 5 nicht überschreiten.

Außerdem stellten die Forschenden fest, dass das Seismiten-Gebiet tektonisch angehoben wurde und von zwei geologischen Verwerfungen beeinflusst ist.  In der Geologie ist eine Verwerfung eine Bruch- oder Störungszone in der Erdkruste, entlang derer sich Gesteinskörper relativ gegeneinander verschieben. Diese Bewegungen können langsam oder plötzlich (Erdbeben) sein.

  • Eine dieser Verwerfungen verschob die holozäne Sedimente. Die angehobene Sandschicht ist etwa 10.000 Jahre alt.
  • Die Verflüssigungserscheinungen traten erst später auf mit dem starken Erdbeben auf, das zwischen diesem Zeitpunkt und etwa 3500 Jahren vor unserer Zeit stattfand.

Weitere Entstehungstheorie: Fossile Wurmnester

Die Seismiten von El Médano wurden bisher interpretiert entweder als Ergebnis

  • der Wechselwirkung heißer Ignimbrite, die über nasse Strände schwappten
  • der schnellen Ablagerung von Strandsand auf heißen, entgasenden Ignimbrite
  • einer durch ein Erdbeben verursachten Paläoverflüssigung (Seismite).

Nicht verschweigen wollen wir, dass es eine weitere Entstehungtheorien zu den Seismiten von El Médano gibt. Bei dieser kommen Tiere ins Spiel, genauer gesagt Würmer.

Einige Wissenschaftler fühlen sich bei den Seismiten an  Spuren von Lebewesen im Boden erinnert. Diese Spuren entstehen durch Tiere wie Würmer, die Sand bewegen, um sich fortzubewegen oder Nester zu bauen. Nach ihrer  Auffassung sind die Strukturen nicht durch ein Erdbeben entstanden, sondern durch biologische Prozesse.

Warum sind Seismiten weltweit so selten?

Seismiten sind weltweit nur sehr selten zu finden, da sie durch Wind, Regen und das Meer meist schnell zerstört werden (Erosion). Vergleichbare Strukturen wurden zwar auch in Costa Rica beobachtet, blieben dort jedoch nicht erhalten.

Aber es sind nicht immer Wind und Wetter, die die Sandvulkane zerstören. Auch der Mensch hat seinen Anteil. Viele der Seismiten von El Médano wurden in den 1970er-Jahren durch den Abbau von Gesteinsmaterial für den Bau der Südautobahn TF-1 zerstört.

Heute ist die größte Gefahr, dass Menschen die übergebliebenen Seismiten anfassen wollen, um zu schauen ob die abgefahrenen Sandstrukturen wirklich fest sind. Sind sie, sonst wären sie nicht mehr da.

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