Es rumpelt unter Teneriffa und die Erdbebenserien der letzten Zeit befeuern die Diskussion, ob ein Ausbruch in der Nähe des Teide-Vulkans bevorsteht.
Droht ein Vulkanausbruch auf Teneriffa?
Die große Frage, die sich viele Anwohner und Urlauber stellen: Bedeutet die aktuelle Zunahme der Erdbebenaktivität unter dem Teide ein erhöhtes Ausbruchsrisiko?
Wissenschaftler, die jede noch so kleine Bewegung mit Sensoren auf Teneriffa registrieren, mahnen trotz der Vielzahl der Beben zur Ruhe.
Noch wissen sie nicht, ob diese neue Aktivitätsphase in der nächsten Zeit abebbt oder länger andauert. Sie sich aber einig:
- Zum jetzigen Zeitpunkt wird die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs als gering eingeschätzt.
- Die aktuellen Erdbebenschwärme erhöhen nicht die Wahrscheinlichkeit für einen kurz- oder mittelfristig Vulkanausbruch auf Teneriffa, also in den kommenden Wochen oder Monaten.
- Die seit 2016 beobachtete anomale vulkanische Aktivität nimmt jedoch weiterhin zu und bestätiget, dass das Vulkansystem aktiv ist und weiterhin streng überwacht werden muss.
Hier selbst abfragen: das aktuelle Risiko für Vulkanausbrüche
Das spanische Vulkanologische Institut ( Instituto Volcanológico de Canarias INVOLCAN) und das Nationale Geographische Institut (Instituto Geográfico Nacional IGN) überwachen Teneriffa mit über 100 Messstationen. Diese erfassen rund um die Uhr verschiedene Parameter, darunter die freigesetzte seismische Energie, Bodenverschiebungen und geochemische Parameter wie CO2 Austritt und Temperaturdifferenzen.
Das Ampelsystem ist vierfarbig: Grün, Gelb, Orange und Rot. Aktuell befindet sich die Ampel auf Teneriffa auf der grünen, der niedrigsten Warnstufe. Bei erhöhter vulkanologischer Gefahr wird die Ampel umgestellt und es werden klar definierte Handlungsempfehlungen ausgelöst.
Für alle die es genauer wissen wollen: Nachrichten und monatlicher Vulkanüberwachungsbericht beim Nationalen Geographischen Instituts IGN
Der Teide schläft nicht. Seismische Schwärme, Gasemissionen und Bodenhebungen weisen auf eine anhaltende, aber stabile vulkanische Aktivität hin. Konkrete Hinweise auf einen kurzfristigen Ausbruch gibt es derzeit nicht, die Situation wird jedoch kontinuierlich von Fachwissenschaftlern und Katastrophenschutzbehörden überwacht.
So werden Teneriffas Vulkane überwacht
Die Überwachung des Teide und der übrigen Vulkansysteme der Kanarischen Inseln wurde in den letzten Jahren, insbesondere nach den Erfahrungen auf La Palma, deutlich intensiviert.
Auf Teneriffa ist ein Netzwerk von über 100 Meßstationen und Probenahmestellen in Betrieb, das die Echtzeitüberwachung von Seismizität, Bodenverformungen und Gasgeochemie ermöglicht. So werden alle relevanten Veränderungen, die auf eine Entwicklung der vulkanischen Gefahr kurz-, mittel- oder langfristig hindeuten könnten, umfassend und kontinuierlich überwacht. Die Daten werden regelmäßig von Spezialisten analysiert, die die Modelle aktualisieren und die Informationen mit den Katastrophenschutzbehörden teilen.
Der wissenschaftliche Ausschuss des Sonderplans für Katastrophenschutz und Notfallmaßnahmen bei vulkanischen Risiken auf den Kanarischen Inseln (PEVOLCA) tagt regelmäßig und außerordentlich bei ungewöhnlichen Signalen. Nach den jüngsten Anomalien hat PEVOLCA neue Sitzungen anberaumt, um die Lage detailliert zu beurteilen und mögliche Maßnahmen mit dem Inselrat von Teneriffa und den Gemeinden der Insel abzustimmen.
Wird es einen weiteren Vulkanausbruch geben?
Vulkanologen haben daran keinen Zweifel. Sie wissen nicht, wann es passieren wird, aber sie wissen, dass es nur eine Frage der Zeit ist bis auf Teneriffa wieder ein Vulkan ausbricht.
Dazu die Wissenschaftlerin und Mitglied des Vulkanologischen Instituts der Kanarischen Inseln (INVOLCAN) Claudia Rodríguez in einem Interview: „Die ungefähre Wiederkehrperiode auf der Insel Teneriffa beträgt 100 Jahre, und diese Zeit ist bereits verstrichen. Wir sprechen hier von Wahrscheinlichkeiten, das bedeutet nicht, dass alle 100 Jahre ein Ausbruch stattfindet, sondern dass die Aufzeichnungen historischer Ausbrüche herangezogen und der Durchschnitt berechnet wird… Aber es wird definitiv einen Ausbruch geben“ Außerdem sagt sie „Die vulkanische Überwachung hat sich deutlich verbessert, da die Insel über eine sehr große Anzahl von Überwachungsstationen verfügt, und wenn die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs kurzfristig steigt, werden wir es wissen .“
„Die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs in 50 Jahren liegt bei über 35 %, das ist also eine beträchtliche Wahrscheinlichkeit“, bekräftigt Itahiza Domínguez, der Direktor des Geografischen Instituts der Kanarischen Inseln. „Machen wir uns nichts vor, es könnten 10 oder 50 Jahre sein, aber wir werden einen Ausbruch auf Teneriffa erleben, das ist unausweichlich. Die Frage ist nur, wo er beginnen wird.“
Würde ein Vulkanausbruch am Teide stattfinden?
Der allgemeine Sprachgebrauch suggeriert oft, dass der nächste Ausbruch am Teide bzw. dass direkt an seinem Krater stattfindet. Tatsächlich aber ist die Sache komplexer. Jens fasste das kürzlich so zusammen „aus der Seite spröddelt es raus“.
Der Teide ist Teil eines ausgedehnten Vulkansystems, zu dem auch der Pico Viejo und zahlreiche Spalten an seinen Flanken gehören. So ereignete sich auch der letzte Ausbruch Teneriffas im Jahr 1909 nicht direkt am Teide, sondern an einer Öffnung im nordwestlichen Gebirgskamm: am Chinyero.
Charakteristisch für Teneriffa ist außerdem, dass das zentrale System der Insel etwas alle 1.000 bis 2.000 Jahre ausbrechen kann und dass ein großer Teil der Insel aus einem sogenannten monogenetischen Vulkanfeld besteht. Das sind Vulkane, die nur einmal und danach nicht mehr ausbrechen.
→ weiterlesen Wie Teneriffa entstand: aus drei Inseln wird eine
Wo fanden die letzten Vulkanausbrüche auf Teneriffa statt?
Keiner der historischen Vulkanausbrüche der letzten 500 Jahre fand am Teide statt. Alle Eruptionen waren an den Gebirgskämmen, die sich von Las Cañadas in Richtung Santa Cruz und La Laguna auf der einen Seite und in Richtung des Teno-Massivs auf der anderen Seite der Insel erstrecken.
- 1706 zerstörte der Ausbruch des Trevejo (auch bekannt als Garachico-Vulkanausbruch) den damals wichtigsten Hafen der Insel und veränderte die Wirtschaft Teneriffas grundlegend.
→ weiterlesen Garachico: kleine Stadt, große Geschichte und ein Vulkan, der alles veränderte - 1798 ereignete sich ein weiterer bedeutender Ausbruch an der Flanke des Pico Viejo, der die heute als Narices del Teide bekannten Austrittsschlote entstehen ließ.
- 1909 brach der Chinyero aus.
→ weiterlesen Ausbruch des Chinyero: Tage der Angst und ein Wunder - Seitdem gab es keine Eruptionsprozesse, obwohl die Insel vulkanisch aktiv bleibt und regelmäßig seismische Schwärme registriert werden.
Wo würde der nächste Vulkanausbruch vermutlich stattfinden?
Derzeit gehen Wissenschaflter davon aus, das das Risikogebiet am der Nordwest-Riftzone (Dorsal de Abeque) liegt.
Blick auf die Nordwest-Riftzone vom Pico Viejo aus.
Dieser Vulkanrückenerhebt sich in Nähe des Teide, erstreckt sich bis zum alten Vulkanmassiv von Teno und ist bekannt für seine geologische Aktivität wie z.B. die Vulkanausbrüche am Garachico und Chinyero.
Wenn ein Vulkan erwacht oder die besorgniserregenden Vorboten
Wenn ein Vulkan erwacht, geschieht dies nicht plötzlich. Vor einem Ausbruch sendet das Vulkansystem in der Regel deutliche Signale aus, die durch wissenschaftliche Überwachung erfasst werden können.
Historisch gesehen wurden die Vulkanausbrüche auf Teneriffa stets von einer Reihe von Erdbeben angekündigt, die über Tage oder Wochen spürbar waren und mit deutlichen Geländeverformungen einhergingen. So zum Beispiel beim Ausbruch des Chinyero: da bemerkten die Einwohner bereits ein Jahr vor Ausbruch Erdbeben. Beim Ausbruch auf La Palma im Jahr 2021 hob sich der Boden in den Tagen vor dem Öffnen der Eruptionsspalten um etwa 30 Zentimeter.
Damit die Situation besorgniserregend wird, müssten Erdbeben höherer Magnitude ab 2,5 mBg registriert werden, die für die Öffentlichkeit spürbar und zeitlich und räumlich gehäuft auftreten, so Vulkanologen. Darüber hinaus müssten weitere eindeutige Anzeichen beobachtet werden, wie beispielsweise eine rasche und anhaltende Zunahme der Bodenverformung oder drastische Veränderungen in der Emission und Zusammensetzung vulkanischer Gase.
In der aktuellen Situation des Teide betonen die Experten, dass diese Alarmmuster nicht erkannt werden. Die seismische Aktivität bleibt niedrig, die Bodenhebung ist sehr gering, und die Gasemissionen, obwohl im Vergleich zu vor einem Jahrzehnt erhöht, bleiben innerhalb der für einen aktiven Vulkan als normal geltenden Grenzen.
Bodenverformung
Eines der wichtigsten Anzeichen ist die Bodenverformung . Wenn Magma aus der Tiefe in oberflächennahe Bereiche aufsteigt, übt es Druck auf die umgebenden Gesteinsschichten aus. Dieser Druck führt zu einer Ausdehnung des Vulkangebäudes, die mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar, aber mit Techniken wie hochpräzisen GPS- oder Radarsatelliten messbar ist. Beschleunigt sich diese Verformung oder konzentriert sie sich auf bestimmte Bereiche, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass das Magma an die Oberfläche drängt.
vulkanische Gase
Ein weiterer wichtiger Parameter ist die Emission vulkanischer Gase . Vulkane setzen regelmäßig Verbindungen wie Kohlendioxid (CO₂), Schwefeldioxid (SO₂) und Schwefelwasserstoff (H₂S) frei. Ein signifikanter und anhaltender Anstieg der Konzentration dieser Gase kann jedoch darauf hindeuten, dass das Magma in geringeren Tiefen flüchtige Bestandteile freisetzt.
Erdbeben
Die von der Bevölkerung wahrgenommene seismische Aktivität ist ein weiteres relevantes Symptom. Schwache Erdbebenschwärme können in aktiven Vulkangebieten häufig auftreten, doch wenn Erdbeben an Intensität und Häufigkeit zunehmen und in immer geringeren Tiefen auftreten – also wenn sie sich zur Oberfläche hin verlagern –, ändert sich das Szenario.
Welche Art von Eruption ist auf Teneriffa am wahrscheinlichsten?
Die wahrscheinlichste Art von Eruptionen sind basaltische Spalteneruptionen, wie sie für die historischen Eruptionen auf den Kanarischen Inseln charakteristisch sind.
→ weiterlesen Vulkangestein und Lavatypen: das ist typisch auf Teneriffa
Der letzte Ausbruch auf La Palma im Jahr 2021, dessen Bilder bestimmt noch jedem im Gedächtnis sind, war ebenfalls eine basaltische Spalteneruption. Zwar gab es Explosionen und Aschewolken, aber in vergleichsweise geringem Ausmaß. Charakteristisch für diese Art von Ausbruch ist die dünnflüssige basaltische Lava, die sich weit ausbreitet. Die Zerstörung entlang der Lavaflüsse war enorm, aber durch rechtzeitig aktivierte Notfallpläne und Evakuierungen gab es keine unmittelbaren Verletzten oder gar Todesopfer.
Die gefährdeten Gebiete
Welche Gebiete der Insel Teneriffa mit größerer Wahrscheinlichkeit Schauplatz künftiger Vulkanausbrüche sein werden, zeigt diese Karte.
zonificación de la isla en función de la peligrosidad volcánica – Zoneneinteilung der Insel nach Vulkangefahr
Sie wurde auf der Grundlage einer Analyse der vulkanologischen Geschichte der Insel über einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren erstellt. Sie ist kein Nebenprodukt der aktuellen Situation, in der seit Ende 2016 eine erhöhte „vulkanische Aktivität” auf Teneriffa zu verzeichnen ist.
Quellen: Calbildo de Tenrife/IGN und wissenschaftliche Publikation
Ursprung der Erdbeben
Die wahrscheinlichste Hypothese zur Erklärung der Erdbebenschwärme sind laut Experten sogenannte Hybridbeben. Diese Beben sind eine Kombination aus tektonischen Erschütterungen (Bruch von Gestein) und vulkanischen Prozessen (Bewegung von Fluiden wie Gasen, Wasser oder Magma), die auf wasserhaltige Gesteinsschichten treffen. Solche Vorgänge gelten als innere Anpassungsprozesse eines Vulkans und sind in einem aktiven Vulkangebiet grundsätzlich nichts Ungewöhnliches.
Du kannst dir das so vorstellen: Unter der Oberfläche entsteht ein kleiner Riss im Untergrund. Dieser Riss kann sich mit Flüssigkeiten wie Gas, Wasser oder in großen Tiefen sogar mit Magma füllen. Wenn sich diese Stoffe im Gestein verschieben oder unter Druck geraten, erzeugen sie Vibrationen, die seismische Instrumente als Erschütterungen erfassen.
PEVOLCA: Vulkan-Warnsystem und -Notfallplan
PEVOLCA ist die Abkürzung für Plan de Emergencias Volcánicas de Canarias, den Vulkannotfallplan der Kanarischen Inseln. Der Plan hat die Aufgabe, die Reaktion aller öffentlichen Verwaltungen auf seismisch-vulkanische Krisen zu koordinieren.
Der wissenschaftliche Ausschuss wird von der Generaldirektion für Sicherheit und Notfälle der Regierung der Kanarischen Inseln koordiniert und umfasst Vertreter des Nationalen Geographischen Instituts (IGN), des Obersten Rates für wissenschaftliche Forschung (CSIC), des Vulkanologischen Instituts der Kanarischen Inseln (INVOLCAN), des Geologischen und Bergbauinstituts Spaniens (IGME), der Staatlichen Meteorologischen Agentur (AEMET), des Spanischen Instituts für Ozeanographie (IEO) und der Universität La Laguna.
Das PEVOLCA (Terrestrisches Vulkanwarnsystem) verwendet ein vierfarbiges Warnsystem für Vulkanausbrüche, das den Risikograd anzeigt: Grün, Gelb, Orange und Rot. Aktuell befindet sich dieser Indikator auf der Insel Teneriffa auf der grünen Stufe, der niedrigsten Warnstufe.
Quellen und Links
- https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2212420925001803
- https://www.rtve.es/noticias/20260220/aumenta-actividad-teide-posible-erupcion-a-corto-plazo/16946681.shtml
- https://www.eldia.es/tenerife/2026/02/25/teide-acumula-enjambres-semanas-ultimos-127254974.html
- https://vrtroll.com/onewebmedia/Geology%20Today%20-%202022%20-%20Carracedo%20-%20The%202021%20eruption%20of%20the%20Cumbre%20Vieja%20volcanic%20ridge%20on%20La%20Palma%20%20Canary%20Islands.pdf
- https://www.atlanticohoy.com/tenerife/aumenta-actividad-volcanica-teide-pero-no-probabilidades-proxima-erupcion_1558028_102.html
- https://en.meteorologiaenred.com/New-seismic-swarm-on-Mount-Teide-passing-under-Tenerife.html
- https://en.meteorologiaenred.com/Seismic-surge-in-Tenerife%3B-there-is-a-risk-of-an-eruption-on-Mount-Teide..html
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