Die gute Nachricht für alle, die beim Thema Pflanzenbestimmung ähnlich schnell an ihre Grenzen kommen wie ich: Man muss nicht wissen, wie eine Pflanze heißt, um von ihr fasziniert zu sein.
Ich bin Botanikerin. Wer jetzt denkt, ich könnte auf Teneriffa souverän durch die Landschaft spazieren, auf eine Pflanze zeigen und sagen: „Ah ja, eindeutig Aeonium canariense, ein typischer Vertreter der kanarischen Flora“, liegt ziemlich daneben. Kann ich nicht.
„Ist grün und macht Photosynthese“, hören meine Mit-Wanderer hingegen häufiger. Ich gebe es zu: Mit der Artenkenntnis habe ich es nicht so. Auch in Deutschland nicht. Hätte ich im Studium bei den botanischen Bestimmungsübungen von Prof. Daniëls mal besser aufgepasst.
Aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm. Denn wenn ich eine Pflanze nicht kenne, heißt das noch lange nicht, dass sie mich nicht interessiert. Eher im Gegenteil. Manchmal ist „Warum?“ viel interessanter als „Wie heißt du?“
Zum Beispiel an der Küste Teneriffas. Dort streicht salzige Gischt über das Land, die Sonne knallt auf die Lava und Wasser ist eher kostbares Gut als Selbstverständlichkeit.
Pflanzen, die hier wachsen, müssen mit ziemlich krassen Bedingungen klarkommen. Und plötzlich werden ganz andere Fragen interessant:
- Warum wächst diese Pflanze genau hier?
- Wie schafft sie es, mit so wenig Wasser auszukommen?
- Warum stehen bestimmte Pflanzen nebeneinander?
Ich gebe es zu: ich leide unter notorischer Natur-Neugierde. Eine Beobachtung führt zu einer Frage. Die Frage führt zur nächsten. Irgendwann ertappe ich mich dabei, dass ich den halben Tag über Niederschläge, Böden oder Vegetationsstufen gelesen habe – und plötzlich Dinge über Teneriffa weiß, von denen ich am Anfang noch keine Ahnung hatte.
So wird aus einer unbekannten Pflanze ein Einstieg. Und vielleicht ist genau das der interessante Teil am Nichtwissen: Man muss nicht wissen, wie eine Pflanze heißt, um neugierig auf sie zu werden.
Und wenn ich den Namen einer Pflanze wirklich wissen will, lasse ich mir gerne helfen. Zum Glück gibt es iNaturalist und jede Menge Menschen, die Pflanzen anhand hochgeladener Fotos deutlich besser bestimmen können als ich 😉
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