Hast du schon mal einen schwarzen Sandstrand gesehen?

Das Patenkind war leicht irritiert nach meinem kleinen Urlaubsgruß per SMS. Was ihr nicht zu verübeln ist, da nach ihrer bisherigen Urlaubserfahrung Strand = hell ist. Und damit ist sie ganz sicherlich nicht allein, denn schwarze Sandstrände sind weltweit ein sehr kleiner „Spezialfall“ und deutlich seltener als helle Strände.

In bestimmten Vulkanregionen treten schwarze Strände jedoch gehäuft auf, zum Beispiel auf den Kanaren, Island oder auf Hawaii. Dort prägen die Küstenlandschaft und verleihen ihr einen ganz eigenen, faszinierenden Charakter.

Wie sind die schwarzen Strände auf Teneriffa entstanden?

Teneriffa besteht vollständig aus vulkanischem Gestein, das sich im Laufe von Millionen von Jahren und in mehreren Phasen von den drei alten Schildvulkane Anaga, Teno und Roque del Conde bis hin zum Teide-Massiv auftürmte.

Der dunkle Basalt ist das häufigste Vulkangestein auf Teneriffa und die Grundlage der charakteristischen schwarzen Küsten. Denn wenn die Lavaströme, pyroklastischen Ablagerungen (Asche, Lapilli, Schlacken) und Basalt-Kliffs verwittern und von Wetter und Brandung zermalmt werden, entstehen schwarze bis tiefgraue Kiese und Sande, die an den Küsten als Strand abgelagert werden.

Studien an anderen Kanareninseln zeigen: Vulkanausbrüche sind ein wesentlicher Faktor für die Neubildung von Stränden. Bei einem Ausbruch entsteht in kurzer Zeit eine große Menge Basaltmaterial. Fließt die Lava ins Meer, bilden sich sogenannte Lavadeltas. An deren Flanken entstehen oft innerhalb weniger Monate neue Strände, die überwiegend aus vulkanischem Material bestehen – etwa aus Gesteinsbrocken, Kies und Asche.

Gelangt ein glühend heißer Lavastrom ins kühle Meerwasser, erstarrt er schlagartig. Teils zerbricht die Lava sogar in Stücke und bildet sofort grobes Sediment an der Küste. Zudem werden die rissigen Ränder der Lavadeltas durch die Wellenbewegung allmählich abgetragen. Dabei lösen sich Gesteinsstücke aus dem erkalteten Lavagestein, die durch die ständige Bewegung von Wasser und Wellen nach und nach zerkleinert werden, bis daraus feine, schwarze Sandkörner entstehen.

Beobachten lässt sich das gerade perfekt auf La Palma. Nach dem Ausbruch des Vulkans Tajojaite 2021 bildeten sich auf der Westseite der Insel 13 neue Kiesstrände, wobei rund 79.000 m³ vulkanisches Material abgelagert wurden.

Wie entsteht aus Gesteinen Sand?

Durch den natürlichen Prozess der Verwitterung und Erosion von Gesteinen entsteht Sand.

Dieser Prozess erfolgt meist in vier Hauptschritten:

Verwitterung

Gesteine werden durch physikalische (z. B. Temperaturwechsel) und/oder chemische Prozesse zersetzt. Dadurch bricht das Gestein in kleinere Partikel.

Erosion

Wasser, Wind oder Eis transportieren die Gesteinspartikel über verschiedene Entfernungen. Während dieses Transports werden sie weiter zerkleinert und abgerundet.

Ablagerung

Lässt die Enerie des Transportmittel nach, lagern sich die Gesteinspartikel ab. Es bilden sich Sandansammlungen, z.B. Strände, Dünen oder Flussbette.

Verfestigung

Über lange Zeiträume können sich diese Ablagerungen verfestigen und zu Sandstein werden. Voraussetzung dafür ist, dass sie unter Druck stehen und mineralische Zementation stattfindet.

Wovon hängt die Farbe von Sand ab?

Sand besteht aus losen Partikeln verwitterter Gesteine und/oder den Resten von Organismen und Lebewesen.

Die Farbe des Sandes hängt davon ab, aus welchen Materialien er zusammegesetzt ist – also von der

  • Art, Zusammensetzung und Anteile der einzelnen Minerale in den Sandkörnern (Mineralogie des Sandes)
  • Gesteinsfragmenten
  • organischen Bestandteilen (z. B. Muschel- oder Korallenresten)

Auf den Kanaren gibt es zwei natürliche Strandtypen

Die Strände der Kanaren lassen sich je nach Entstehung in zwei Gruppen einteilen.

  • Vulkanische Strände
    • zeichnen sich durch schwarze Sedimente aus
    •  hauptsächlich mineralreicher, mittelkörnigen Sand mit geringem Gehalt an Schluff/Ton und Karbonaten (<10 %)
    • typisch für die Nordküste Teneriffas
  • Biogene (Organogene) Strände
    • bestehen aus feinem, hellen Sand
    • sind gekennzeichnet durch die Überresten von Organismen (z. B. Muschelschalen) und somit einen hohen Gehalt an Karbonaten aufweisen.
    • Diese Strände sind typisch für die Südküste der Kanarischen Inseln, vor allem auf Fuerteventura, Gran Canaria und Teneriffa.

Erlebe die authentischen Strände auf Teneriffa

Die Strände und Dünen Teneriffas bestehen hauptsächlich aus zermahlenem Lavagestein, also aus vulkanischem Sand. Je nach Ort sind darin unterschiedlich viele Reste von Muscheln, Korallen oder anderen Meeresorganismen enthalten. Überwiegt das vulkanische Material, erscheinen die Strände dunkelgrau bis schwarz.

Viele Strände Teneriffas, wie etwa Playa de las Teresitas oder Playa del Duque, bestehen allerdings aus hellem, importiertem Sand und wurden künstlich angelegt, um Badetouristen einen karibisch anmutenden Gegensatz zu den natürlich dunklen Lavastränden zu bieten.

Doch wer die Insel wirklich in ihrer ursprünglichen, authentischen Form erleben möchte, sollte die naturbelassenen schwarzen Stränden besuchen.

Beliebte natürliche, schwarze Strände auf Teneriffa

  • Playa de Castro bei Los Realejos
  • Playa de Benijo in der Nähe von Taganana, im Anaga-Gebirge
  • Playa del Socorro bei Los Realejos
  • Playa la Arena bei Los Gigantes
Klicke hier, um diesen Teneriffa Tipp zu teilen!