Wer auf Teneriffa unterwegs ist, begegnet häufig einer Montaña so z.B. der Montaña Roja oder Montaña Negra. Auf den ersten Blick scheint die Bedeutung klar: Es handelt sich um einen Berg. Tatsächlich verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung aber oft ein Vulkan. Hier erfährst du warum das so ist und welche Rolle Geschichte und Sprache dabei spielen.
Viele alte Berge und ein paar junge Vulkane
Was bedeutet „Montaña“?
Im Standardspanisch (Kastillisch) bezeichnet Montaña eine „große, felsige Landerhebung“ bezeichnet, also einen Berg oder ein Gebirge.
Nach der Eroberung der Kanarischen Inseln durch das Königreich Kastilien im 15. Jahrhundert übernahmen die Bewohner der Inseln den Begriff Montaña in ihren allgemeinen Sprachgebrauch. Dabei verschob sich jedoch seine Bedeutung.
Darum gibt es so viele „Montañas“ auf den Kanaren
Teneriffa ist wie die gesamte Inselgruppe der Kanaren komplett vulkanischen Ursprungs. Die meisten vulkanischen Formationen entstanden allerdings vor langer, langer Zeit. Stark erodiert und/oder ohne sichtbare Aktivität wirkten sie für die Menschen vor Ort wie ganz gewöhnliche Berge. Und so lag es nahe, sie genau so zu benennen: als Montañas.
Bekannte Montañas auf Teneriffa
Zu den bekanntesten Montañas, die geologisch ganz eindeutig Vulkane sind, gehören:
- Montaña Amarilla: Der „Gelbe Berg“ an der Küste im Süden nah der Costa del Silencio
- Montaña Negra: Vulkankegel oberhalb von Garachico
- Montaña Roja: Der „Rote Berg“ an der Küste bei El Médano
- Montaña Guajara: der vierthöchste Berg auf Teneriffa und die höchste Erhebung des Caldera-Randgebirges
Darum gibt es so wenige Vulkane auf den Kanaren
Erst ab dem 17. Jahrhundert hat sich das Wort „Volcán“ im Spanischen verbreitet. Und auch danach, wurden die bereits vorhandenen vulkanischen Landschaften auf den Kanaren ganz selbstverständlich weiterhin als „Montaña“ bezeichnet.
Der Sprachwissenschaftler Maximiano Trapero beschreibt dieses Phänomen so:
- In der traditionellen kanarischen Ortsnamenforschung (Toponymie) wurde nahezu jeder Vulkan automatisch als Montaña bezeichnet.
- Nur sehr junge oder historisch dokumentierte Ausbrüche erhielten später tatsächlich die Bezeichnung Volcán.
Deshalb dominieren im kanarischen Sprachgebrauch bis heute die Montañas, obwohl es sich geologisch eindeutig um vulkanische Strukturen handelt.
Bekannte Vulkane auf Teneriffa
Bekannte Beispiele sind der Volcán de Trevejo, der Garachico zerstörte und der Vulkan Chinyero, der jüngste Vulkan Teneriffas.
Der Volcán de Trevejo brach 1706 aus, also zu der Zeit als die Bezeichung Vulkan sich im Spanischen erst langsam durchsetze. Daher sind hier beide Varianten verewigt und üblich Montaña negra und Volcán de Trevejo.
Montaña: ein Begriff, der die kanarische Landschaft prägt
Der Begriff Montaña zeigt eindrucksvoll, wie eng Sprache, Landschaft und Geschichte auf den Kanarischen Inseln miteinander verbunden sind.
Montañas gehören zu den prägendsten Merkmalen der kanarischen Landschaft. Mehr als 1.500 Orts- und Landschaftsnamen auf den Inseln tragen diese Bezeichnung. Sie verweisen meist auf
- (erlosche) Vulkankegel, Krater, markante Erhebungen oder Geländeformen
- sowie auf Siedlungen und Ortsteile, die nach solchen Formen der Vulkanlandschaft benannt wurden.
Quellen und Links
- https://www.fundeu.es/noticia/en-canarias-no-hay-volcanes-la-contribucion-islena-al-lexico-de-la-geologia/
- https://www.eldiario.es/canariasahora/sociedad/teide-teneguia-tajogaite-canarias-volcan-escribe-t_1_9238535.html
- https://toponimiacanarias.ulpgc.es/page/inicio
- https://toponimiacanarias.ulpgc.es/item/211627
- https://www.academiacanarialengua.org/diccionario/entrada/montana/
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